Hier einige alte Ausdrücke über das Nutzen der Phytotherapeutika….
Aloe ferox: „Qui deicere volet, aloem sumat“. Wer abführen will nimmt Aloe (Celsus).
Betulae folium: „...bricht und treibt es den Stein der Nieren und Blasen“ (Matthiolus).
Cacurbiate peponis semen: „Die Kern zerstoßen sein gut zum Harn... . Der Samen macht wohl harnen ... reinigt Nieren und Blasen“ (Lonicerus).
Hyperici herba: „... gar nützlich zu gebrauchen zu den zerknirschten und zerstoßenen Nerven2 8Tabernamonatnus), ... tauget es auch in dem Schlag, der schweren Noth, melancholia hypochondriaca“ (Schröder)
Die aktuelle EU-Definition der Phytotherapie lautet: Heilung, Linderung und Vorbeugung von Befindensstörungen bis hin zu Krankheiten durch Arzneipflanzen, deren Teile (z.B. Blätter, Rinde), deren Bestandteile (wie ätherische Öle oder Zubereitungen aus ihnen (Trockenextrakte, Tinkturen, Mazerate). Die alte Definition als die Lehre der Therapeutischen Nutzung von Arzneipflanzen geht auf H. Leclerc zurück (1870-1955).
Phytopharmaka: syn.: Phytotherapeutika, Arzneimittel, die ausschließlich aus Pflanzen, ihren Teilen oder Inhaltsstoffen bestehen. Synonym gebrauchte Begriffe zu Phytotherapeitika in der aktuelln EU-Rechtsprechung sind „herbal remedies“, „herbal medicinal products“ und „Phytomedicines“. Isolierte Substanzen pflanzlicher Herkunft etwa Butylscopolamin, Digoxin, Atropin, oder Theophyllin sowie nachgeahmte synthetische Naturstoffe zählen nicht zu den Phytopharmaka.
Standardisierte Phytopharmaka: Zubereitungen aus Pflanzenextrakten, die auf einen oder mehrere Inhaltsstoffe normiert sind um die natürlichen Schwankungen durch Erntezeit, Wetterlage, Bodenbeschaffenheit etc. auszugleichen. Die Einstellung muss nicht notwendig auf den Hauptwirkstoff erfolgen. Wenn das Hauptwirkprinzip noch nicht identifiziert wurde oder der chemische Nachweis unverhältnismäßig aufwendig ist, wird die Einstellung auf eine Markersubstanz durchgeführt, die ebenfalls eine Aussage über die Qualität der Droge trifft, ohne dass sie selbst ein aktives Prinzip sein muss. Zur allopatischen Pharmakopoe bestehen fließende Grenzen, diese Zubereitungen gehören zur sog. rationalen (wissenschaftlichen) Phytotherapie im Gegensatz zur traditionellen Erfahrungsheilkunde die native Pflanzenextrakte verwendet.
Zubereitungsformen von Heilpflanzen:
Droge: geschnittene, getrocknete Heilpflanzen, nach DAB (deutschem Arzneimittelbuch) ist in den meisten Fällen die Qualität festgeschrieben
Medizinaltee (Infus): mit kochendem Wasser übergossene Teedrogen, zu Beachten sind die Ziehzeiten und die Grundregeln der Zubereitung (s.u.)
Dekokt (Abkochung): harte Drogen wie Wurzeln, Rinde,
Mazerat: Auszüge, die durch längeres Verweilen der Droge oder geschnittenen Frischpflanzen in einem Extraktionsmedium gewonnen werden. Das Lösungsmittel kann alkoholisch, wässrig, ölig oder eine Alkohol-Wasser-Mischung sein,
Kaltauszug (aequoses Mazerat): die Teedroge wird mit kaltem Wasser über Nacht (6-8 Stunden) angesetzt. Vor allem bei Schleimdrogen z.B. Eibischwurzel angewendet.
Tinktur (alkoholisches Mazerat): alkoholischer Auszug aus Droge oder Frischpflanze. Er wird bei Pflanzen, deren Hauptwirkstoffe nicht wasserlöslich sind z.B. Alkaloidbasen verwendet.
Sonderformen: Weine/Geiste: Eine früher sehr beliebte Sonderform, die medizinischen Weine wie Rosmarinwein zur Anregung des Kreislaufes, die bis 20% Alkohol enthalten können oder hochprozentige Geiste/Spiritus (Spirituosa medicata, 30-70 vol.%) wie Klosterfraumelissengeist. Bei regelmäßiger Anwendung kommt es zu nennenswerter Aufnahme von Ethanol! In der äußerlichen Anwendung werden Geiste noch häufiger verwendet, Beispiel: Franzbranntwein für Einreibungen. Allerdings ist auch hier Vorsicht bei Patienten mit einem Alkoholproblem geboten. Die Geiste, die durch den Alkoholgehalt lokal hyperämisierend wirken, haben bei häufiger Anwendung eine austrocknende Wirkung auf die Haut.
Ölmazerat: Ölauszug aus der frischen Pflanze, seltener des getrockneten Krautes, z.B. Johanniskrautöl, Calendulaöl. Die erhaltenen Ölauszüge werden als Grundlage für Externa verwendet, die innerliche Einnahme ist möglich, wird aber wegen des fettigen Nachgeschmacks selten praktiziert.
Sirup: dickflüssige Zubereitungen mit mehr als 60% Zucker. Die frischen Pflanzenteile werden mit Zucker angesetzt, der ihnen neben dem Wasser auch Wirkstoffe und Mineralien entzieht. In gesättigten Zuckerlösungen (ca. 66%) können keine Mikroorganismen leben, da ihnen über Osmose das zur Vermehrung nötige Wasser entzogen wird. Indikationen finde sich vor allem in der Pädiatrie: Sirupzubereitungen von Spitzwegerich, Eibisch, Fenchel und Thymian bei Erkältungskrankheiten Verwendung, sie können auch bei individuellen Rezepturen von Tinkturen bei Erkrankungen im Kindesalter als Geschmackskorrigenzien eingesetzt werden. In dieser Gruppe fallen auch die Medizinsl-Honige wie Fenchelhonig.
innerlich: meist oral als Tees, Phytopharmaka etc. selten parenteral z.B. Sylmarin (Mariendistel), oder Suppositorien z.B. Hametum
äußerlich: als Umschläge, Kataplasmen (breiige Zubereitung z.B. Senfwickel), Salben, Pflaster (ABC-Pflaster = Arnica, Beinwel, Capsicain, ab 204 nur noch Capsicain), Spülungen & Badezusätze: Aufgüsse oder Fertigpräparate (z.B. Salviathymol).
Traditionelle Zubereitungen: Tee, Sirup, Tinkturen, Mazerate etc. (s.o.) Anforderungen an verwendete Pflanzen sind eine hohe therapeutische Breite (geringe Toxizität), Wirksamkeit, botanische Identifizierbarkeit bzw. eindeutige botanische Zuordnung in der Rezeptur und Praktikabilität bei der Anwendung – Vorteile: kostengünstig und einfach anzuwenden, Ordnungs-therapeutischer Aspekt, da häufig Mitarbeit des Patienten eingefordert wird. Wichtiges Zubereitungsmittel: Zeit, den Tee aufzubrühen und ihn zu genießen!
Phytopharmaka: Fertigpräparate, zumeist auf eine Leitsubstanz eingestellt (standardisiert) –Vorteil: Unabhängig von Ernt- und Klimafaktoren zuverlässig gleichbleibende Wirkstärke, der wissenschaftlichen Evaluation zugänglich. Bei stark wirksamen Pflanzen oder toxischen Inhaltsstoffen gleichbleibende Dosierung unter Vermeidung von unerwünschten Wirkungen möglich. z.B. Pestwurz (Petasites hybridus).
Sich Zeit nehmen, den Heilkräutertee bewusst zu trinken!
falls Sie selber einige Tees oder Salben herstellen möchten gibt es unter www. tee.org/heilpflanzen.de ausführliche Beschreibungen in kleinen Schritten!
Für Fragen stehen wir Ihnen gerne unter der Telefonnummer: 05139 / 983 943 zur Verfügung.