Schlupflid-Operationen sind sehr gefragt. Das wundert nicht. Denn ein Schlupflid lässt das Auge müde, klein und schlitzförmig aussehen. Dadurch erhält das Gesicht einen vorgealterten oder sogar kranken Ausdruck. In ausgeprägten Fällen wird sogar das Gesichtsfeld nach oben und außen eingeschränkt. Fachmännisch durchgeführt, ist die Operation risikoarm und liefert fast immer ein befriedigendes Ergebnis.
Normalerweise liegt dem Schlupflid eine altersbedingte Erschlaffung der Lidstrukturen zu Grunde. Typischerweise tritt sie im mittleren Lebensalter erstmals in Erscheinung. Aber auch familiär belastete Jugendliche können schon darunter leiden. Die Lidhaut verliert an Elastizität, sie wird überdehnt, der Lidsphinkter (M.orbicularis oculi) erschlafft ebenso wie das hinter liegende Septum orbitale. Das orbitale Fettgewebe drängt wie eine Hernie nach vorne in seinem nasalen und lateralen Compartement. Ungesunder Lebenswandel wie Schlafmangel, übermäßiges Sonnenbaden, Rauchen und Trinken beschleunigen diesen Vorgang.
Die Gesichtsfeld einschränkendes Absinken des Oberlides, ist bei älteren Leuten auch mit einer beginnenden Ptosis palpebralis verbunden, die Basedow Augen, Xanthelasmen (kleine gelbe Hautveränderungen) u.a., stellen medizinische Gründe zur Operation dar. In der Regel stört den Patienten jedoch das vorgealterte Aussehen. Er kann sich morgens im Spiegel oder auf Fotos nicht mehr sehen, stellt selbst die Operationsindikation und sucht einen Plastischen Chirurgen auf. Die körperliche und organbezogenen Untersuchungen sollen krankheitsbedingte Ursachen ausschließen, wie Herz-, Nieren-, Schilddrüsenleiden, Stoffwechsel-, Hormon- und Elektrolytstörungen, Allergien etc. Der Schirmertest orientiert grob über ein trockenes Auge-Syndrom.
Die klinische Sehprüfung hat schon manche einseitige Schwachsichtigkeit oder gar eine unbekannte einseitige Blindheit aufgedeckt. Im Zweifel sollte man immer ein augenärztliches Konsil einholen.
Zu achten ist auch auf etwaige Asymmetrien. Diese können durch den Eingriff
verstärkt werden, dann erst auffallen und werden dem Operateur angelastet.
Eine echte Lidasymmetrie ist selten. Meist ist ein mimisch bedingtes Hochziehen
einer Augenbraue verantwortlich.
Die Behandlung kann ambulant in örtlicher Betäubung ergänzt
durch eine Analgosedierung durchgeführt werden. Die stationäre Unterbringung
ist besonderen Umständen vorbehalten.
Schlupflider werden schon seit über 100 Jahren operiert. Die Schnittführung wird gerne präoperativ in aufrechter Körperhaltung mit nicht abwaschbarer Tinte eingezeichnet. Der Hautüberschuss wird als ausschweifende Elipsenform markiert. Die untere Linie folgt der natürlichen Supratarsalfalte mit einem Ausläufer in eine Krähenfussfalte. Die obere Schnittlinie findet man durch Einklemmung des Hautüberschusses mit einer oder zweier Pinzetten. Daran schließt sich die Prüfung auf ausreichenden Lidschluss. Auf der anderen Seite wird genauso vorgegangen. Der Hautüberschuss wird ohne oder mit einem darunter liegenden Streifen des M. orbicularis reseziert.
Mit Stichinzisionen oder einem Querschnitt mindestens 5 mm oberhalb der Tarsuskante zur Vermeidung einer versehentlichen Durchtrennung der Levatoraponeurose wird das Septum orbitale über dem lateralen und nasalen Compartement eröffnet. Ein leichter Druck auf dem Bulbus über das Unterlid lässt die Orbitafetthernien hervorquellen. Nach sorgfältiger Koagulation der Basis wird das Fettgewebe abgetragen. Das Whitnallsche Ligament bildet die hintere Resektionsgrenze. Wurde das Septum breit eröffnet, soll es mit resorbierbaren Nähten verschlossen werden. Die Muskellücke schließt sich spontan. Die Lidhaut wird vorzugsweise mit einer intrakutanen Ausziehnaht verschlossen. Das erleichtert die Fadenentfernung und vermeidet lästige Epithelzysten in den Stichkanälen.
Als Langzeitfolgen der klassischen Orbitafettresektion sehen wir immer häufiger Hohlaugen, sogar mit Enophthalmus, wenn im Alter noch die natürliche Fettatrophie hinzukommt. Jugendlich wirkende Oberlider sind dagegen voll, wie man an Models sehen kann. Das Orbitafettgewebe hypertrophiert nicht. Es wölbt sich nur hernienartig nach vorne durch die Erschlaffung der Lidstrukturen, insbesondere des Septum orbitale. Die logischere Behandlungsmethode besteht deshalb in einer Reposition der Fetthernie in die Orbita. Dies geschieht auf dem Op.-Tisch spontan durch die liegende Position. Das überdehnte Septum wird wie bei einer Hernioraphie eingestülpt und in querelliptischer Weise vernäht. Die kaudale Linie legt man etwa 5 mm oberhalb des Tarsusrandes. Kranial kann man bis an den knöchernen Orbitarand gehen. Die maximale Breite der Septoraphie muss individuell festgelegt werden. Die Mitarbeit des ansprechbaren Patienten ist dabei hilfreich. Das Ausmaß der Muskel- und Hautresektion entspricht der klassischen Methode.
Besonders bei Männern wird gelegentlich eine Blepharochalasis durch abgesackte Augenbrauen verstärkt. Die alleinige Blepharoplastik reicht dann nicht aus. Sie muss durch eine Augenbrauenhebung ergänzt werden. Dies macht man heute vorzugsweise endoskopisch. Fadenaufhängung von einem Zugang hinter dem Haaransatz wird ebenfalls empfohlen. Selbst direkte Stirnhautresektionen über der Augenbraue, bei zerfurchter Männerstirn auch aus der Stirnmitte, sind sehr wirksam und können mit unauffälliger Narbe verheilen.
Eingriff und Heilverlauf sind praktisch schmerzlos. Feine sterile Pflasterstreifen über der Naht reichen zum Schutz aus. Okklusions- oder gar Druckverbände sind gefährlich, weil sie die notwendige postoperative Visuskontrolle erschweren. Der Patient kann leicht eine klaustrophobische Panik entwickeln. Kalte, nasse Kompressen oder eine Kühlpackung werden als angenehm empfunden. Abschwellende Augentropfen sind empfehlenswert. Die intrakutanen Ausziehfäden kann man sechs Tage belassen. Schwellungen und Verfärbungen der Lider (auch Unterlider) im Sinne einer Ecchymosis oder eine Chemosis der Bindehaut lassen sich nicht immer vermeiden. Sie bilden sich aber im Laufe einer Woche zurück und können mit einer Sonnenbrille verdeckt werden.
Entzündungen sind selten, Miniatherome im Narbenverlauf dagegen häufiger. Sie sollten eröffnet und ausgeschält werden. Die prätarsale Hypästhesie bildet sich im Laufe von Wochen zurück. Manche Patienten empfinden eine gewisse Steifigkeit in den Lidern für sechs bis acht Wochen. Leichte Fingerstreichmassage wirkt sich günstig aus auch auf morgendliche Ödeme.
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